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Kurvenbalance

Woran du gute Schutzkleidung erkennst

Worauf es wirklich ankommt

Motorradfahren ist Freiheit – aber mit der Freiheit kommt auch Verantwortung.
Eine gute Schutzkleidung ist dabei nicht nur ein Muss, sondern ein Gamechanger für dein Sicherheitsgefühl.

Hier erfährst du, worauf du achten solltest – verständlich erklärt und praxisnah.

Helm

Achte auf folgende Eigenschaften:

  • Passform: Der Helm sollte fest sitzen ohne zu drücken. Er sollte nicht wackeln und sich mit geschlossenem Riemen nicht vom Kopf ziehen lassen
  • Verschluss: Ein Ratschenverschluss ist komfortabler. Ein Doppel-D-Verschluss ist sicherer und auf der Rennstrecke oft unverzichtbar.
  • ECE 22.06-Zulassung (oder mindestens 22.05) bestätigt die Schlagfestigkeit – ohne „amtliche Prüfung“ keine Straßenzulassung, besonders in einigen Nachbarländern.

Optional:

  • Emergency-Quick-Release-System: Ein Notfallsystem, um die Wangenpolster zu entfernen. So werden die Wirbel zu geschont wenn der Helm vom Kopf genommen wird. Sanitäter können so auch schneller eine Beatmung einleiten.
  • Material: Ein Helm aus Carbon ist leichter und langlebiger als günstige Modelle
  • Ausstattung: Es gibt Helme mit Sonnenvisier oder integrierten Kommunikationssystemen – überlege, was du wirklich brauchst
  • Visier: Ein getöntes oder verspiegeltes Visier hilft gegen Blenden, ist bei bei Dunkelheit aber nicht erlaubt!
  • Pin-Lock-Visier: Schützt das Visier vor Beschlagen. 
  • Einsatzzweck: Bei Integralhelmen muss man im wesentlichen zwischen gut belüftet aber laut oder weniger Belüftung und leise wählen. Für sportliches Fahren wähle ich einen gut belüfteten Helm – für lange Autobahnetappen, einen leisen Helm.

Helmtypen:

  • Integralhelm: Für hohe Belastung ausgelegt. Maximaler Schutz durch feste Kinnpartie
  • Klapphelm: Komfortabel, vor allem für Brillenträger. Teilweise keine Zulassung auf Rennstrecken.
  • Enduro-/Crosshelme: Mit verstärktem Kinnbereich und Schirm. Für Offroad konzipiert.

Wichtig: Ein Helm oder mindestens die Polster sollten bei regelmäßiger Nutzung alle 5-7 Jahre ausgetauscht werden. Denn Polster lassen nach und der Helm sitzt zu locker. Außerdem eckt ein Helm hin und wieder doch mal an, auch wenn wir es vielleicht nicht mitbekommen.

Jacke & Hose

  • Abriebfeste Materialien: Leder bietet mit Abstand den höchsten Schutz! Hochwertige Textilgewebe, können je nach Einsatzzweck aber ausreichen.
  • Zertifizierte Protektoren: Mindestens an Rücken, Ellenbogen, Schultern und Knien/Schienbeinen. Zusätzlich sind Hüft- und Brustprotektoren möglich
  • Gute Passform: Protektoren dürfen nicht verrutschen. Egal in welcher Position! Wenn sie nur beim Probesitzen auf einem Ausstellungsmotorrad im Laden passen, passen sie nicht! 
  • Lange Protektoren schützen besser: Ideal ist, wenn der Schienbeinprotektor bis in den Stiefel und der Ellbogenprotektor möglichst nah an den Handschuh reicht

Leder punktet nicht nur beim Abriebschutz – es sitzt meist auch straffer, wenn viel Bewegung reinkommt.
Das sorgt dafür, dass Protektoren auch bei gestreckten Armen und Beinen an Ort und Stelle bleiben.

Verkäufer testen oft in angewinkelter Fahrposition – im Ernstfall kannst du dir deine Sturzhaltung aber selten aussuchen.

Rückenprotektor

In vielen Jacken ist serienmäßig nur ein einfacher Schaumstoffeinsatz verbaut – dieser erfüllt teilweise noch nicht die Mindestanforderung.

Wenn du wirklich geschützt sein willst, solltest du diesen Einsatz durch einen hochwertigen Rückenprotektor ersetzen.

Meine Empfehlung: Ein separater Rückenprotektor zum Umschnallen.

  • bietet durchgehenden Schutz entlang der Wirbelsäule
  • verrutscht nicht beim Sturz
  • kann unter verschiedenen Jacken getragen werden
  • ist oft bequemer, als man denkt – wenn er gut sitzt

Er schützt besser, ist flexibel einsetzbar und sitzt genau dort, wo er hingehört – egal, welche Jacke du gerade trägst.

Handschuhe

  • Stabile Protektoren: Gummiaufsätze bei Textilmodellen bieten oft
    kaum Schutz
  • Handballenverstärkung: hier rutschst du bei einem Sturz meist zuerst
  • Handgelenksschutz: keine kurzen Sommerhandschuhe
  • Abriebfestigkeit: Nach der aktuellen Norm wird die Abriebfestigkeit nur auf der Innenseite eines Handschuhs getestet. Manche Hersteller bieten eine höhere Qualität. (Diese Norm soll in näherer Zukunft überarbeitet werden)

Stiefel

  • Überknöchelhoch: Der Knöchel ist besonders verletzungsgefährdet. Schienbeinprotektor der Hose reicht möglichst bis in den Stiefel – so schließt der Schutz nahtlos ab.
  • Verstärkungen: Schienbein, Zehen und Ferse
  • Fester Halt, aber genug Beweglichkeit fürs Schalten
  • Idealfall: Stiefel mit Innen- und Außenschuh. So wird maximaler Halt und Sicherheit geboten. 

Airbag

Kein Muss, aber ein echter Sicherheits-Bonus!

  • Mechanischer Auslöser: Dieses System funktioniert mit einer Reißleine, welche am Motorrad befestigt wird.
    • Wartungsarm – keine Updates, kein Akku-Laden
    • Keine „Fehlzündungen“ bei abrupten Fahrmanövern
    • Werden oft über der Kombi getragen und müssen so nicht bei der Wahl einer Lederkombi berücksichtigt werden
    • Sie lösen erst aus, wenn man vom Motorrad getrennt wird
    • Sie können versehentlich ausgelöst werden, wenn man vom Motorrad absteigt und die Leine vergisst
  • Elektronischer Auslöser: Diese Systeme nutzen Sensoren, welche je nach Einsatzzweck (Straße/Rennstrecke) entsprechend sensibel auslösen.
    • Reagiert blitzschnell in wenigen Millisekunden
    • Schützt auch auf dem Motorrad, bspw. bei einem Heckaufprall
    • Fehlzündungen bei abrupten Fahrmanövern, wie Wheelies möglich – besonders bei älteren Systemen oder falschen Einstellungen
    • Akku muss regelmäßig geladen und Updates ausgeführt werden
    • Teilweise mit Abo-Modell oder hohem Paket-Preis für Software
    • Werden oft unter der Kombi getragen, was bereits beim Kauf der Kombi berücksichtigt werden sollte
    • Dafür guter Schutz durch enge Passform und kein Flattern im Wind
  • Wiederverwendbarkeit: Bei einigen Airbags kann die Gas-Kartusche nach dem Auslösen selbst erneuert werden. Andere müssen dafür eingeschickt werden, was oft mit höheren Kosten und Zeitaufwand verbunden ist.
  • Schutzbereich: Wirbelsäule, Nackenbereich, Brustkorb, Rippen, Schultern und Schlüsselbein sollten beim Auslösen vollständig geschützt werden.
  • Zertifizierung: Bei Airbags ist eine entsprechende CE-Zertifizierung (EN 1621-4) wichtig, um Zuverlässigkeit, Auslösezeit, Druckhaltezeit und Schlagfestigkeit zu gewährleisten. Von einem Billig-Kauf auf China-Plattformen ist abzuraten!
  • Über einem Airbag sollte kein Rucksack getragen werden, damit der Airbag vollständig und schnell entfalten kann.
  • Airbags sollten gebraucht nur vom Fachhändler mit Wartungsnachweis gekauft werden! Eine zuverlässige Überprüfung ohne Fachpersonal ist nahezu unmöglich.

Sicherheit wirkt auch innen

Was oft unterschätzt wird:

Gute Schutzkleidung verändert dein Gefühl beim Fahren. Wenn du weißt, dass du stabil geschützt bist:

  • Fährst du entspannter
  • Kannst dich besser auf Technik konzentrieren
  • Gehst mit mehr Selbstvertrauen in schwierige Situationen

Wir bereiten uns nicht auf die Fahrt vor, sondern auf einen Sturz!

Es geht nicht um Übermut, sondern um ein ruhiges Grundgefühl.

Komfort vs. Sicherheit

Natürlich bringt perfekte Schutzkleidung auch Einbußen im Komfort mit sich – vor allem bei Hitze.
Viele lassen die Lederjacke im Sommer lieber im Schrank, obwohl sie es eigentlich besser wissen.
Wie du bei hohen Temperaturen trotzdem sicher unterwegs bist, liest du im Artikel:

👉 Motorradfahren bei über 30 Grad – sicher trotz Hitzewelle

Über den Autor

Benzin im Herzen, Balance im Kopf

Ich bin Samuel und ein leidenschaftlicher Motorradfahrer, Kurventrainer und Pädagoge.

Ich begleite Menschen mit meinem Ansatz Kurvenbalance auf ihrem ganz eigenen Weg zurück zu mehr Fahrfreude, Vertrauen und innerer Ruhe auf zwei Rädern.